Miriel

Schon vor meiner Schwangerschaft war mir bewusst, dass ich gerne Zuhause gebären wollte, im Beisein meiner Lieben, in aller Ruhe, in Frieden und in einer heimeligen Energie. Immer wieder merkte ich jedoch auch, dass es immer weniger Hebammen gibt, die diese Unterstützung bieten möchten. Im Gespräch mit meiner Ärztin, die meine Bedürfnisse gut kannte, fiel immer wieder Karins Name und es folgten viele positive Worte. Ich wusste, diese Hebamme muss ein ganz besonderer Mensch sein. Mein großer Wunsch war es, sie kennenzulernen. Bald war es soweit – bereits in der 7. Woche meiner Schwangerschaft rief ich Karin an. Das Alltagsleben und das „normal sein müssen“, „normal arbeiten müssen“ zehrten sehr an mir und hinterließen seine Spuren in meiner Ganzheit. Karin konnte mich begleiten, mich stützen, mir Raum geben und das große Gefühl des Verständnisses vermitteln, in einer Situation, in der mir scheinbar sehr wenige Menschen Verständnis zeigen konnten. Es folgten einige Hausbesuche, bei welchen wir nett plauderten, Fragen klärten, und ein bisschen über Gesellschaft und das Leben philosophierten. Es war einfach. Es war einfach unkompliziert. Es war so normal wie natürlich. Es fühlte sich einfach gut an. So sollte es sein.

Vor und während des Schwangerschaft habe ich viele Bücher gelesen, mich wirklich umfassend mit dem Thema beschäftigt, aus der tiefen Freude heraus, ein Kind empfangen zu dürfen. Die Frage, wann eine Geburt nun wirklich startet, hatten mich und meinen Mann in den letzten Tagen der Schwangerschaft immer wieder zum Lachen gebracht, da man sich da besonders beim erstmaligen Erleben nie so sicher sein kann. Nun war es aber soweit. Nach einem längeren Bad in der Badewanne am Abend verspürte ich, dass sich mein Bauch immer wieder stark anspannte, ja krampfte. Was tun? Ok, wir warten einmal ab. Schon nach 10 Minuten war klar – es muss losgehen, anders kann es doch gar nicht sein, oder? Ja. Immer wieder eine Wehe – in regelmäßigen Abständen. Wir rufen Karin an. Wieder eine Wehe. Ich muss mich sehr konzentrieren, atmen, in meinem Fluss sein. Mein Mann spricht mit Karin – sie will mit mir reden? Nein – ich kann grad nicht! Ja, es geht los. Liebe Karin, ich wünsche mir, dass du losfährst. Die Wehen kommen und gehen. Ich schaukle in unserer Wohnung hin und her. Toilette. Sofa. Boden. Bett. Bitte meinen Mann mich zu halten. Es ist ein Tanz zwischen den Wehen. Ein Tanz zwischen Kraft und völliger Kraftlosigkeit. Ich schwitze. Ich friere. Wir lachen und weinen. Ich sitze auf dem Klo, als Karin ankommt. „Wo möchtest du dein Baby gebären?“ – Ja, wir gehen ins Wohnzimmer auf den Boden. Ich probiere aus, wie es für mich gut passen kann. Ich hocke auf dem Boden, mein Mann stützt und hält meinen Oberkörper. Wehe für Wehe kommt und geht. Karin ist da, sie beobachtet, sie schätzt die Situation ein. Es ist alles ok. Es ist gut, so wie es ist. Es ist nicht mehr so leicht für mich, mich auf den Füßen zu halten. Durchhalten. Im Fluss sein. Atmen. Entspannen. Ich bin in meiner eigenen Welt. Die nächste Wehe – und das Fruchtwasser platscht auf die Unterlage. Ich schaue meinen Mann an – wir lachen. Unser Baby ist nicht mehr weit. Ich spüre die Dehnung, die Kraft, taste mit meiner Hand – das ist ja schon der Kopf! Wieder eine Wehe, kraftvoll und stark – ich stütze den Kopf meines Babys mit meiner Hand. Einmal noch – ich empfange unser Kind mit meinen Händen, Karin unterstützt mich dabei und legt mir unser Kind auf meine Brust. Stille. Leere. Freude. Entspannung. Wir haben es geschafft. Wir schauen uns an. Tiefe Freude und Erleichterung erfüllt uns. Es ist wunderschön. Wir dürfen sein. Wir dürfen genießen. Es ist ein wunderschöner Raum des Ankommens spürbar.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Ganz achtsam und sanft leitet uns Karin durch die nächste Zeit. Halten. Stillen. Plazenta gebären. Wunde versorgen. Meinen Körper spüren. Für unser Kind da sein. Mich waschen. Für mich sorgen. Für mein Baby sorgen.

Es ist einfach einfach.

Drei Stunden nach der Geburt schlafen wir in unserem Bett ein. Glücklich und erfüllt. Auch Karin schläft bei uns auf der Couch. Am nächsten Morgen ist noch Raum da für Fragen und Antworten und wir sind sehr dankbar, dass alles so sein hat dürfen. Karin begleitet uns auch die nächsten Tage. Gibt uns das Gefühl des Verstanden Seins im Auf und Ab nach der Geburt. Lindert meine Wehwehchen mit Kräutern, Salben, Wissen und Verständnis. Und es geht mit gut. Es geht mir wunderbar. So habe ich es mir gewünscht. Danke!

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